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Von den inneren Werten eines Hauses

Bauen und Sanieren bedeutet heute auch immer: Energiesparen!

Wuppertal-Elberfeld, eine Doppelhaushälfte. Pastellgelbe Außenwände, ein Garten mit Terrasse und bunter Schaukel, 138 Quadratmeter Wohnfläche. Familie Mobers hat hier vor knapp zehn Jahren ein Haus gebaut, das damals fast ein bisschen visionär war und heute dem Standard entspricht: Vom Garten aus erkennt man Sonnenkollektoren und einzelne Rohre auf dem Dach, dezente Merkmale eines Energiesparhauses.

Machen wir uns nichts vor: Das Thema Energiesparen ist rein sprachlich nicht besonders hip. Und tatsächlich sagt Dirk Mobers gerne Wörter wie „Nachheizregister“, „Vakuum-Doppelverglasung“ oder „Effizienz-hausstandard“, wenn er von seinem Energiesparhaus redet – einfach, weil sich so etwas schlecht vermeiden lässt. Dadurch klingt Vieles trockener, als es eigentlich ist. Und es verhehlt, dass Dirk Mobers der Typ Mensch ist, der einem lebhaft die spannenden Aspekte des Energiesparens vermitteln kann.
Für Mobers, der seit 1995 bei der Energie-Agentur.NRW arbeitet, stand Anfang der 2000er Jahre fest, dass er nicht irgendein Haus bauen will. Schon damals kannte man sogenannte Passivhäuser – also Gebäude, die bis zu 90% weniger Heizwärme verbrauchen als üblich. Doch als er dem Bauträger vorschlug, ein solches zu bauen, erhielt er die Antwort: „Ein was?“ Das Projekt Passivhaus schrieb Mobers damit vorerst ab. Er war seiner Zeit schlichtweg ein bisschen voraus. Aber wenige Jahre später sollte er sein Energiesparhaus bekommen.
Seitdem hat sich Einiges getan. Und dennoch ist das gelbe Haus in Elberfeld selbst heute, nach knapp zehn Jahren, immer noch guter Standard in Sachen Energieeffizienz. „Bei uns ist nach wie vor alles im grünen Bereich“, sagt Mobers. Grün bekommt in diesem Fall noch eine ganz andere Bedeutung: Die Mobers bewohnen ein ‚3-Liter-Haus’, das 3 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr verbraucht – also etwa 30 Kilowattstunden Energie. Das ist nicht mal ein Viertel von dem, was ein Nichtenergiesparhaus benötigt. Dabei hilft die Dämmung – fast 20 Zentimeter dick. Außerdem gibt es spezielle Fenster, die kaum Wärme entweichen lassen, eine Solaranlage, die für warmes Wasser sorgen kann, und eine Belüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Die verteilt einerseits warme Luft im Raum, gleichzeitig saugt sie verbrauchte Luft ab und lässt frische hinein. Das ist nötig, denn Häuser wie dieses sind praktisch luftdicht gebaut.
Luftdicht – das klingt erst einmal unbehaglich. Wie wohnt es sich in einem Energiespar-Haus? „Man wohnt genauso, wie man es sonst auch tun würde“, sagt Mobers. Dann fällt ihm aber doch noch etwas ein, was hier im Alltag anders läuft. Um das Lüften muss man sich zum Beispiel nicht mehr kümmern. Die Temperatur ist immer angenehm, das Gebäude erhitzt sich nicht. „Es gibt auch keine Geruchsbelästigung auf dem Gäste-WC“, lacht er. „Normalerweise reißt man da das Fenster auf, und der Nächste bekommt einen kalten Po. Das gibt es bei uns nicht mehr.“ Ein angenehmer Nebeneffekt. Für Allergiker wie ihn gibt es außerdem Pollenluftfilter. Die Mehrkosten für die gesamte Ausstattung schätzt Mobers auf 15.000 Euro – die Förderung allerdings noch nicht mit eingerechnet. Je nach Energiepreisen amortisiere sich eine solche Investition in zehn bis 15 Jahren.

Bei uns ist nach wie vor alles im grünen Bereich

Maßgeblich für heutige Energiesparhäuser sind die KfW-Förderprogramme, die verschiedene Standards vorgeben. Ein „Effizienzhaus 70“ zum Beispiel darf, vereinfacht ausgedrückt, nur 70% der in der aktuellen Energieeinsparverordnung festgelegten Menge an Energie verbrauchen. Dabei sind diese Konzepte nicht nur für Neubauten interessant, und allein durch Neubauten wären viele Ziele der nächsten Zeit auch kaum zu erreichen. Es muss also nachgerüstet werden. Doch wo anfangen mit dem Sanieren? Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn nicht immer ist alles, was heutzutage möglich ist, auch sinnvoll. Am Anfang sollte die Frage stehen: Was muss ohnehin bald renoviert werden, und wie könnte ich dabei nachrüsten?
Wer mit Dirk Mobers spricht, bekommt schnell das Gefühl, dass hier jemand in seinem Beruf seine Berufung gefunden hat, so abgedroschen das auch klingt. „In meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind viele, die sich von mir bei Fragen rund ums Energiesparen beraten lassen.“ Erst kürzlich hat er seinem Bruder eine Photovoltaikanlage aufs Dach gesetzt. „Ich schaue dabei aber immer: Was ist wirtschaftlich? Welches Bauteil ist gerade dran und muss sowieso renoviert werden?“ Es bereitet ihm sichtbar Freude, mit Bekannten neue Entwicklungen in der Praxis zu testen, „das ist sozusagen meine kleine private Weiterbildung“. Am Ende des Gesprächs ist klar: Er bildet auch sein Umfeld weiter und alle, die mit ihm in Kontakt kommen. Zum Glück.

  • Text: Maren Lupberger
  • Foto: Dirk Mobers