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Mehr als ein Zuhause

Ein Verein gibt Menschen in Entwicklungsländern die Chance auf eine bessere Zukunft.

Weltweit leiden etwa eine Milliarde Menschen an Armut und Wohnungsnot. Der gemeinnützige Verein DESWOS bietet einigen von ihnen Hilfe zur Selbsthilfe beim Bau von Wohnraum an – um ihnen ein Leben in menschenwürdigen Verhältnissen zu ermöglichen. Dabei setzt der Verein auf die Beteiligung der künftigen Hausbesitzer, wie auch auf die Nutzung von lokalen Rohstoffen und lokal produzierten Baustoffen. Der Umzug in ein eigenes Haus bedeutet für die Menschen in den Entwicklungsländern mehr als ein Zuhause. Wie das Beispiel von Aisha Husseni zeigt, ist es vor allem ein Schritt in eine bessere Zukunft.

Eine baufällige Lehmsiedlung in Arusha, im Nordosten Tansanias. Nur noch selten kommt Aisha Husseni hier her, um Bekannte zu besuchen. Bis vor Kurzem hat die alleinerziehende Mutter selbst in der Siedlung gelebt – unter katastrophalen Bedingungen gemeinsam mit ihren drei Kindern auf engstem Raum gehaust. Gerade einmal sieben Quadratmeter war der gesamte Wohnbereich groß. Doch die räumliche Enge, die schlechte Bausubstanz und die tägliche Angst gekündigt zu werden, waren nicht die einzigen Probleme: In dem Armenviertel gibt es weder sauberes Trinkwasser noch hygienische Toiletten.

Weltweit teilen etwa eine Milliarde Menschen das Übel vom Leben in unmenschlichen Verhältnissen. In Afrika, Asien und Lateinamerika kämpfen sie täglich gegen Armut, Wohnungsnot und Krankheiten.
Die Deutsche Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen e.V. (kurz DESWOS) unterstützt Menschen wie Aisha Husseni und ermöglicht ihnen ein festes Dach über dem Kopf. Denn: Wohnen ist ein Menschenrecht. So steht es in der Charta der Vereinten Nationen. Seit 45 Jahren setzt sich die private Organisation DESWOS für dieses Menschenrecht ein, indem sie Wohnraum schafft, Existenzen aufbaut und sichert und Bildung und Ausbildung fördert. Mehrere Hundert größere und kleinere Projekte hat die Organisation schon erfolgreich umgesetzt – auf der ganzen Welt: von von Nicaragua über Uganda, Indien bis hin zu den Philippinen.
Aisha Husseni hat sich wenige Kilometer von ihrer alten Siedlung den Traum vom eigenen zu Hause in massiver Bauweise erfüllt. Dafür hat die alleinerziehende Mutter viel Eigenarbeit geleistet. Denn Hilfe zur Selbsthilfe ist ein Leitsatz von DESWOS. Jeder, der sich für ein Haus bewirbt, muss beim Bau mit anpacken und zahlt anschließend einen Teil der Baukosten in Raten zurück. Das Geld fließt in den Bau neuer Häuser und öffentlicher Einrichtungen.
Wie Aisha Husseni geht es vielen: Die Aussicht auf ein eigenes Haus ist so überzeugend, dass die Betroffenen sich mit viel Engagement an der Sache beteiligen. Hilfreich sei, so die Verantwortlichen der DESWOS, dass fast immer eine Gruppe, eine Nachbarschaft oder ein ganzes Dorf eine eigene Siedlung plant. So entsteht ein „Wir-Gefühl“, das auch für weitere Entwicklungsaufgaben nutzbar sein kann. Hinzu kommt, dass durch die Eigenleistung die Kosten sinken. Gerne wird das Projektgeld im eigenen wirtschaftlichen Umfeld gehalten: Daher kommt das Baumaterial überwiegend aus der Region.

Wohnen ist ein Menschenrecht

Die DESWOS ist mit über 850 Mitgliedern und Förderern einer der mitgliederstärksten Vereine der Entwicklungsarbeit. Der Verein mit Sitz in Köln ist allerdings nicht nur auf Spendengelder angewiesen, sondern auch auf verlässliche Partner vor Ort. Denn die Partner kennen die Lage, die jeweiligen Vorschriften und haben die entsprechenden Kontakte, in den häufig infrastrukturell schwach organisierten Einsatzgebieten rund um den Globus.
Die Wohnungsnot durch den Bau von Häusern zu lindern, ist nur ein Teil der Arbeit der DESWOS. Es geht auch darum, die Armut langfristig zu überwinden. Deshalb ist das Mitwirken an umfassenden sozialen, ökonomischen, ökologischen und organisatorischen Veränderungen, die gemeinsam mit der lokalen Wirtschaft umgesetzt werden müssen, so wichtig. Wie das erfolgreich funktioniert, hat die DESWOS kürzlich im südindischen Alleppey bewiesen. Ihr Entwicklungsprogramm richtete sich an benachteiligte Fischerfamilien. Gemeinsam mit der indischen Organisation Samhathi führte die Partnerorganisation der DESWOS Programme der Bewusstseinsbildung, Schulungen und praktische Ausbildungen durch. Die Frauen wurden in organischem Land- und Gartenbau, in der Kleinviehzucht und der Milcherzeugung geschult. Ziel ist, so viele Familien wie möglich durch Anbau und Viehzucht zu wirtschaftlicher Unabhängigkeit zu befähigen. Darüber hinaus wurde die Organisation Samhathi zusammen mit den Familien im Küstenschutz aktiv. Mangroven und Casuarinas wurden aufgeforstet und damit die erosionsgefährdete Küste nachhaltig geschützt. So wie in Alleppey soll auch in anderen Teilen der Welt durch Wissen, Handeln und die Optimierung des Kapital- und Arbeitseinsatzes Wachstum entstehen. Denn Wachstum ist ja nur ein anderes Wort für Entwicklung.

  • Text: Thomas Meurer
  • Foto: DESWOS