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Greenest City 2020

Vancouver will zur umweltfreundlichsten Stadt der Welt werden

Der Greenest City 2020 Action Plan ist so ambitioniert wie vorbildlich: Kanadas drittgrößte Stadt hangelt sich an einem 10-Punkte-Plan entlang, um die grünste, ökologischste und nachhaltigste Stadt auf diesem Planeten zu werden. Dafür ziehen seit 2011 Stadtrat, Bürger, Unternehmen und verschiedene Organisationen an einem Strang. Null CO2-Emmission, null Abfall und ein gesundes Ökosystem sind die drei Kernthemen, um die herum sich alles Handeln bewegt.

Einer, der nach Kräften Vancouvers Ziel unterstützt ist Michael Ableman. Bereits seit den 1970er Jahren hat sich der Farmer, Buchautor und Fotograf der biologischen Landwirtschaft verschrieben. Er ist ein Pionier des Urban Farming, dem Obst- und Gemüseanbau in der Stadt. Ableman gründete Sole Food Street Farms, eines der innovativsten Nachhaltigkeitsprojekte von Vancouver. Auf einem Parkplatz vor dem Olympiastadion bauen Ableman und seine „family“, wie er seine Mitstreiter nennt, Radieschen und weiteres Biogemüse an, um es an lokale Restaurants, Einzelhandelsgeschäfte oder auf dem Bauernmarkt zu verkaufen. Die Fläche, die ihnen hierfür zur Verfügung steht, würde auf dem Immobilienmarkt stolze Summen erzielen. Aber die Biobauern zahlen lediglich einen symbolischen Dollar an die Stadt, für jede Fläche, die sie ein Jahr lang zum Bewirtschaften pachten.

Neben dem Ziel, gesunde Nahrung herzustellen und die Transportwege für Lebensmittel kurz zu halten, hat Sole Food Street Farms auch soziale Absichten. Das Projekt gibt Menschen, die sonst von der Gesellschaft vergessen würden, eine Arbeit und einen Lebensinhalt. Drogensüchtige und psychisch Kranke führt Ableman behutsam in die Gemeinschaft der Biobauern und Lebensmittelliebhaber*innen ein. Im berüchtigten Low Track von Vancouver, einem der schlimmsten städtischen Slums Nordamerikas, haben sich die Bewohner unter seiner Führung zusammengeschlossen, um gleich einen ganzen städtischen Bauernhof aufzubauen. Durch Sole Food Street Farms wurde bereits ein Hektar städtisches Land in Anbaufläche umgewandelt.

AUS BIOMÜLL WIRD DER HUMUS FÜR DIE URBAN STREET FARMERS

Michael Ableman ist ein Veränderer, der andere für seine gute Sache begeistert. Sein Manifest für städtische Nahrungsmittel bietet Impulse, die sich gut auf andere Städte übertragen lassen. So fordert Ableman u.a., dass jede Immobilientransaktion eine städtische Erhaltungssteuer beinhalten sollte, aus der Land speziell für die Produktion von Nahrungsmitteln gekauft werden könnte.

Ob sein Engagement am Ende dazu beitragen wird, dass Vancouver die grünste Stadt der Welt wird, ist für den Urban Farming-Pionier zweitrangig. Der eingeschlagene Weg sei der richtige für eine grüne Zukunft.

Wie ernst es der Stadtverwaltung von Vancouver ist, zeigt eine ungewöhnliche Maßnahme im autovernarrten Nordamerika. Um die Emissio-nen zu senken, wurde den Autofahrern im Innenstadtbereich eine Spur genommen, die nun ausschließlich von Fahrradfahrer*innen genutzt werden darf. Die größten Luftverpester Vancouvers befinden sich allerdings auf dem Wasser. Am Pier in Downtown werden die Ozeanriesen neuerdings mit Strom vom Festland versorgt, damit sie mit ihrem Schiffsdiesel nicht mehr die Luft verunreinigen.

Radikales Umdenken findet auch in Sachen Mülltrennung statt. Noch vor wenigen Jahren machten Lebensmittelabfälle rund 40 Prozent des städtischen Müllaufkommens aus. Heute wird dieser als Biomüll zu fruchtbarem Humus für die Urban Farmers kompostiert, womit wichtige Schritte hin zu einem gesunden Ökosystem gemacht sind.