Im Interview

Immer wenn es regnet...

Henriette Knoblauch im Interview

Wenn es in Köln mal wieder wie aus Eimern schüttet, dann freut das natürlich die Wenigsten. Wir wollen uns an dieser Stelle aber mit einem positiven Nebeneffekt des Niederschlags beschäftigen. Denn, wenn es in Köln-Ehrenfeld regnet, füllt sich immerhin die Brauchwasseranlage von Henriette Knoblauch.

Und weil sie damit zu unserem Monatsthema passend Wasser spart, haben wir uns, wiederum natürlich ganz unabhängig von der Wetterlage, auf den Weg zu ihrem Haus in der Körnerstraße aufgemacht. Die quirlige, fröhliche Hausbesitzerin und Vermieterin wusste uns dann auch einiges zu erzählen, nicht nur zum Thema Regenwasser.

Wann und wieso haben Sie sich für eine Brauchwasseranlage entschieden?

Das war 1999/2000, als wir hier das Haus hochgezogen haben. Ich fand es sinnig, Regenwasser zu benutzen, statt es als Abwasser zu bezahlen. Außerdem war ich umgeben von Leuten, die das gut fanden. Und genauso ging es mir auch mit meiner Solaranlage, für die ich mich zur gleichen Zeit entschieden habe. Es gab zu der Zeit auch viele Förderprogramme. Ehrlich gesagt, war das ein bisschen zufällig. Ich fand es modern und grün. Ich habe weniger daran gedacht, dass ich Geld spare. Das ist bei der Solaranlage, glaube ich, auch nicht der Fall, zumindest nicht in einem erheblichen Maße.

Wie sieht es denn mit dem Sparen von Wasser aus?

Ich glaube schon, dass ich Wasser spare. Ich fülle manuell Frischwasser nach, weil mein Automatismus dafür nicht mehr funktioniert. Wahrscheinlich ist nur das Eckventil verkalkt. Bis ich jemanden gefunden habe, der mir dieses relativ kleine Ersatzteil erneuert und mir nicht eine neue Anlage verkaufen will, fülle ich das Wasser mit dem Gartenschlauch nach. Das ist letztes Jahr nur zwei- oder dreimal gewesen. Ich weiß nicht genau, wie viele Liter die Tonnen fassen, aber es ist schon eine ganze Menge. Ich kann damit die meiste Zeit die zwei Toilettenspülungen bedienen und den Garten gießen. Allerdings gieße ich damit nicht den ganzen Garten, nur meine Töpfe, mein Kräuterbeet und manchmal die Rosen. Der Garten ist sehr groß, das wäre eine Menge Zeit, die man dafür aufwenden würde. Wenn trockene Jahre sind, dann ist das halt ein bisschen Steppe. Aber oben die vielen Töpfe auf der Dachterrasse werden damit auch bewässert und die Beete am Haus entlang. Ich habe das noch nicht genau ausgerechnet, was es ausmacht. Aber jetzt wo ich mit Ihnen darüber spreche, denke ich, das ist doch eine ganze Menge Wasser, die ich nicht als Frischwasser beziehe.

Regenwasser nutzen, statt Abwasser zu bezahlen

Wofür ist das Brauchwasser noch geeignet?

Im Prinzip könnte man damit auch die Waschmaschine bedienen. Ich weiß gar nicht mehr so recht, warum ich das nicht gemacht habe. Vielleicht habe ich gedacht, ich habe dafür dann doch nicht genug Wasser. Das ist im Grunde nämlich nicht schlecht, denn das Wasser ist weich. Da spart man natürlich am Waschmittel. Das sieht man doch immer auf den Waschmittelverpackungen, dass man umso mehr Waschmittel benötigt, je härter das Wasser ist. Und bei uns ist es ja quasi steinhart, so kalkhaltig wie das ist.
Meine Söhne haben dieses Wasser auch schon getrunken, weil sie nicht wussten, dass man das nicht tut. Aber wenn man sich vorstellt, was 4/5 der Weltbevölkerung für Wasser trinkt, dann kann das hier nicht so gefährlich sein. Wenn der Durchfluss nicht zu langsam ist, ist das schließlich kein Brackwasser.

Können Sie uns erläutern, wie eine Brauchwasseranlage funktioniert?

Das Regenwasser wird vom Dach über die Rinnen in Fallrohre geleitet. Das Fallrohr teilt sich in einen größeren Teil, durch den das Wasser ins Abwasser fließt und in einen kleineren Teil, durch den das Wasser durch einen Filter in meine Regentonnen geleitet wird. Dann ist da eine Pumpe, die auf Druckabfall reagiert. Das heißt, wenn ich die Toilettenspülung betätige, fällt der Druck im Rohr ab. Dann springt die Pumpe an und pumpt Wasser aus dem Tank in die Toilettenkästen, bis sie wieder voll sind. So ist der Druck wieder aufgebaut. Außerdem gibt es einen Mechanismus, bei dem durch in sogenannten Schwimmern angebrachte Fühler merken, wenn der Wasserstand in den Tonnen zu niedrig ist. Dann geht ein Ventil auf und frisches Wasser fließt bis zu einer bestimmten Höhe nach. Bei meiner Anlage ist das leider defekt. Ich habe das, wie gesagt, so gelassen, weil ich niemanden gefunden habe, der mir das anständig repariert. Zweimal im Jahr kann ich da Wasser reinlaufen lassen. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. Für meine Solaranlage hätte ich allerdings gerne jemanden für die Wartung. Da muss eigentlich in regelmäßigen Abständen Frostschutzmittel hinein. Außerdem müsste man ab und zu gucken, ob die Elektronik funktioniert und keine Luft im System ist. Die Firma, die den Rest meiner Heizung wartet, macht das nicht, denn die wartet es nur für eine bestimmte Marke. Da geht es wahrscheinlich um Haftung.

Wasser ist echt eine Wissenschaft für sich

Wie sieht es mit dem Wartungsaufwand für die Brauchwasseranlage aus?

Der ist nicht groß. Da sollte man nur öfter den Filter putzen. Sonst kommt nicht so viel Regenwasser durch. Der Filter sorgt dafür, dass das Wasser, was in die Tonnen fließt, sauberer ist. Die Pumpe kann kaputt gehen. Bei mir ist das schlecht installiert, sodass es ein ziemlicher Aufwand ist, die Pumpe dann auszutauschen. Im Prinzip ist es aber kein Kunststück, sie ab- und anzuschließen. Ich kann es leider nicht, weil man sechs Anschlüsse hintereinander wasserdicht verschrauben muss. Dafür braucht man aber keine Ausbildung, sondern nur viel Muskelkraft und etwas Geduld.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Ihrer Anlage? Was würden Sie Menschen, die über die Anschaffung einer Brauchwasseranlage nachdenken, raten dabei zu beachten?

Ich finde meine Anlage gut und freue mich darüber. Ich hatte am Anfang das ganze Haus daran hängen. Aber ich hatte zweimal hintereinander Pech. Da sind die Pumpen kaputt gegangen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das daran lag, dass die trockengefallen und stehengeblieben sind oder ob die ganze Konstruktion nicht die sinnvollste ist. Es gibt nämlich auch andere Pumpen für Regenwasseranlagen, die, glaube ich, im Wasser sind. Das mit dem Pumpenausfall ist natürlich unangenehm als Vermieterin, wenn die Mieter auf der Matte stehen und kein Wasser in der Toilette haben. Dann muss man mit einem Eimer Wasser hantieren, bis es wieder repariert ist. Deshalb habe ich nachher nur noch meine eigenen Toiletten damit versorgt.

Wenn man einen Garten hat, sollte man das Ganze draußen unterbringen

Heute würde ich es wohl etwas anders handhaben. Aber damals wäre das ein ziemlicher Akt gewesen. Das Wasser kommt nach dem Rohbau. Da hatte ich schon viel Zeit und Geld investiert und wollte nicht noch für die Tonnen Riesenlöcher in den Garten graben lassen. Also habe ich mir die Tonnen im Keller deponieren lassen. Aber das nimmt viel Platz weg und ist teilweise so unpraktisch verlegt, dass die Anlage nicht gut zu warten ist. Wenn man einen Garten hat, sollte man die Möglichkeit nutzen und das Ganze draußen unterbringen. Bei der Pumpe würde ich mich das nächste Mal besser erkundigen, was das sinnvollste Modell ist. Diese würde ich im Zweifelsfall so anbringen, dass man sie leichter austauschen kann. Wenn ich von vornherein an das Problem mit der Pumpe gedacht hätte, dann hätte ich vielleicht einen einfacheren Umschluss, bei dem man über einen Schalter die Pumpe als Versorger abtrennen und die normale Frischwasser-Versorgung anstellen kann. Dann hätte man kein Problem, wenn die Pumpe ausfällt, dann wäre man ganz normal mit Frischwasser versorgt. Und wenn der Defekt repariert ist, kann wieder auf Regenwasser umgestellt werden. Das mache ich vielleicht auch bei mir nochmal. Dann würde ich eventuell auch alle Toiletten im Haus an das Regenwasser anschließen. Den Nachfüllmechanismus könnte ich tatsächlich nochmal verbessern.

Welche Maßnahmen haben Sie darüber hinaus ergriffen, um Ressourcen zu schonen?

Mein Haus ist ziemlich dick eingepackt. Dadurch sind die Nebenkosten an der unteren Grenze von dem, was man durchschnittlich so verbraucht. Meine Mieter oben haben bei so einem Wetter wie jetzt nur einen von vier Heizkörpern in der ganzen Wohnung in Betrieb. Also, ich glaube, das spart wirklich an Heizung. Auch das Dach habe ich dämmen lassen. Diese Durchflussbegrenzer, die man an die Wasserhähne anschraubt und die das Wasser mit Luft aufpolstern, die habe ich auch. Wasser ist echt eine Wissenschaft für sich. Wenn ich nochmal ein Haus bauen würde, würde ich mich intensiv mit dem gesamten Wasserthema beschäftigen. Das ist ziemlich komplex, sozusagen ein Riesenfilm.

Wir danken Frau Knoblauch herzlich für die sehr interessante und aufschlussreiche Kurzversion dieses umfangreichen Films. Wir werden beim nächsten Regenschauer mit Sicherheit im besten Sinne an sie denken! Und wenn jemand sich mit der Wartung von Solaranlagen auskennt, darf er/sie sich gerne beim veedelfunker melden. Wir vermitteln dann weiter!

  • Text: Monika Hogrefe