Im Interview

Energiesparen ist Ährensache

Karl-Heinz Schweitzer im Interview

Karl-Heinz Schweitzer ist Bäckermeister aus Tradition, denn er kommt aus einer Bäckerfamilie in Beilstein an der Mosel. Schon sein Großvater war Bäckermeister, dann sein Vater und schließlich haben alle drei Söhne dieses Handwerk erlernt.

Als ältester Sohn hat er sich mit damals 28 Jahren nach Köln aufgemacht, um sich mit einem eigenen Betrieb selbstständig zu machen. Nun ist Karl-Heinz Schweitzer mit seiner Bäckerei bereits seit 1973 am Ehrenfeldgürtel ansässig.

Vor drei Jahren hat Herr Schweitzer beim 2. Kölner Carrotmob mitgemacht. Das ist eine Aktion, bei der Menschen dazu aufgerufen werden, zu einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Geschäft einzukaufen, damit der Ladenbesitzer den Erlös in eine klimagerechte Sanierung investieren kann. Seitdem liegt Karl-Heinz Schweizer der Klimaschutz besonders am Herzen. Darum baten wir den vielbeschäftigten Bäckermeister darum, sich mit uns über sein Engagement in Sachen Energiesparmaßnahmen zu unterhalten.

Nebenbei erfuhren wir auch einiges über einen Berufsstand, der es heutzutage schwer hat, sich mit Qualitätsprodukten gegen große Ketten und Billigangebote zu behaupten. Vor 40 Jahren gab es in Köln noch etwa 300 backende Kleinbetriebe. Diese Zahl ist mittlerweile auf 80 geschrumpft. Umso schöner ist es für uns, zu sehen, dass die Bäckerei Schweitzer seit nunmehr 40 Jahren in Ehrenfeld beheimatet ist.

Wie kam es dazu, dass Sie damals eine Bäckerei in Köln Ehrenfeld eröffnet haben?
Wir haben zuhause eine Bäckerei gehabt. Und alle drei Söhne haben Bäcker gelernt. Als der dritte gelernt hat, habe ich beschlossen, dass ich freiwillig gehe. Ich bin dann zunächst woandershin gegangen, um zu arbeiten. Letztendlich bin ich hier gelandet, weil ich speziell in Köln eine Bäckerei gesucht habe, um mich selbstständig zu machen. Dass es Ehrenfeld wurde, hat sich dann so ergeben. Ich habe mir mehrere Bäckereien in Köln angeschaut. Der Laden hier am Ehrenfeldgürtel hat mir am meisten zugesagt. Ich war jung verheiratet und habe praktisch mit Nichts angefangen. Diese Bäckerei war am preisgünstigsten und hat mir auch dadurch zugesagt, dass sie sich im Parterre befand. Früher gab es nämlich noch viele Kellerbackstuben. Vom Preis und von der Ausstattung her war das hier für mich ideal.

Sie haben einen Beruf ergriffen, der mit Sicherheit sehr anstrengend ist und viel Einsatz erfordert. Wie darf man sich die Arbeit in einer Backstube vorstellen?

Ja, das ist manchmal schon hart, besonders die Nachtarbeit. Vor 40 Jahren sind wir in der Regel später angefangen. Aber heute ist es so, dass alles da sein soll, wenn man um halb sieben aufmacht. Dadurch hat sich die Arbeit mehr in die Nacht verschoben. In den siebziger und achtziger Jahren haben wir zum Teil um halb vier angefangen. Heutzutage starten wir um zwölf Uhr nachts. Aber wenn genug Leute da sind, fange ich auch schon mal später an, so wie heute.

Wenn ich jedoch um zwölf Uhr beginne, stehe ich um halb zehn auf. Dann bin ich um elf Uhr hier und gucke auf die Zettel, um zu sehen, was es an Bestellungen gibt. Gegen zwölf Uhr fange ich mit dem Brot an. Bis ein Teig als Brot aus dem Ofen kommt, braucht es mindestens drei Stunden. Dann kommen die Brötchen, das Frühstücksgebäck und schließlich die Kuchen. Die Backstube ist in der Regel bis mittags in Betrieb. Da wir keinen Ladenbackofen haben, müssen wir frische Sachen hinterher backen. Das ist dann allerdings Energieverschwendung, weil wir dafür den großen Ofen anlassen müssen.

​Carrotmob war ein Wort, das ich noch nicht kannte…

2010 haben Sie bei einem Carrotmob mitgemacht. Erzählen Sie uns doch bitte, wie es dazu kam und was Sie dazu motiviert hat.
Carrotmob war ein Wort, das ich noch nicht kannte, bis man mich darauf angesprochen hat. Die jungen Leute kamen hierher, haben sich vorgestellt und erzählt, was sie vorhaben. Ich hab daraufhin im Internet geguckt, was ein Carrotmob ist und fand das ganz gut. Dann habe ich mich dafür beworben. Es gab verschiedene Bewerbungen. Am Tag kommen in einer Bäckerei keine Riesenumsätze zustande, das sind eher Kleinbeträge. Darum habe ich gesagt, dass 100 % der Einnahmen an diesem Tag in Energiesparmaßnahmen investiert werden. Und dadurch, dass ich 100 % angegeben habe und die anderen nur 80 %, wurde ich genommen. Das mit dem Klima wollte ich immer schon mal machen. Ich wusste zwar schon, wo wir Energie verschwenden, aber in Angriff genommen hatte ich es noch nicht. Der Carrotmob hat dann erst den Anstoß gegeben.

Ich habe damals 70.000 Kilowatt im Jahr verbraucht und konnte das durch die Maßnahmen immerhin um 10.000 Kilowatt reduzieren.

An dem Tag selber war hier ordentlich was los. Es sind auch viele Leute vorbeigekommen, die vorher nicht in der Bäckerei eingekauft haben. Der Stadtanzeiger war da und in der Rundschau gab es auch einen Artikel. Das war schon ganz schön medienrelevant. Valentin Thurn (Anm. der Red.: Regisseur des Films „Taste the Waste“) hat an diesem Tag ebenfalls hier gedreht. Das Video gibt es auf YouTube zu sehen.

Welche Maßnahmen gab es nach dem Carrotmob, um in Ihrem Betrieb den Energieverbrauch zu senken? Was hat sich geändert?
Ich habe aus den Carrotmob gelernt, dass man etwas tun muss. Und ich habe einiges geändert, eigentlich alles, was möglich war. Es kamen um die 2.000 Euro zusammen und ich habe mindestens 5.000 Euro investiert, somit mehr als beim Carrotmob reingekommen ist.

Ich habe eine neue Tiefkühlanlage gekauft. Die braucht man, um die vorbereiteten Teiglinge zu kühlen. Die alte Anlage, die ich vorher hatte, hat Energie ohne Ende verbraucht. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Nun stört mich noch der Backofen, aber ein neuer kostet 50.000 Euro. Damit meine ich einen großen Ofen, nicht so einen für den Laden. Den bekommt man für 10.000 bis 15.000 Euro. Das ist aber im Grunde auch schon teuer. Beim Backofen kommt neben dem Strom auch noch das Gas hinzu. Nachts ist er voll, aber ab acht Uhr ist er nur noch teilweise belegt, muss aber ganz geheizt werden. Das ist ein Problem, da könnte man auf jeden Fall noch einsparen. Das bedeutet aber zunächst einmal, eine Menge Geld in einen zweiten Ofen zu investieren.

Was hat Sie neben der Kostensenkung dazu bewogen, energieeffizienter zu arbeiten?
Mein Hauptanliegen ist der Klimaschutz. Das klingt jetzt vielleicht so, als wenn ich mich in den Vordergrund stellen will, ich meine das aber ernst. Die Kostensenkung ist nur ein Nebeneffekt. Wenn ich 100 Euro im Monat einspare, ist das schön. Aber wenn es mir wirklich um Kostensenkung ginge, würde ich an anderer Stelle Einsparungen vornehmen.

Was sind Ihre Beweggründe dafür, sich für den Klimaschutz einzusetzen?
Ich habe mich erst nach dem Carrotmob richtig mit dem Klimaschutz befasst. Natürlich habe ich mir vorher auch schon Gedanken darüber gemacht, aber nicht so intensiv. Ich bin der Überzeugung, dass da etwas getan werden muss. Ich denke auch an meine Kinder und mein Enkelkind. Wenn man Kinder in die Welt setzt, können sie es in Zukunft besser machen.

Achten Sie auch in Ihrem privaten Bereich darauf, den Energieverbrauch zu senken?
Zuhause ist eigentlich alles darauf ausgerichtet, Energie zu sparen. Wir haben zum Beispiel eine Waschmaschine, die sparsam im Verbrauch ist.

Und ich versuche das hier im Betrieb durchzusetzen. Es gibt halt auch immer noch Leute, die das für blödsinnig halten. Warum auch immer, wirkliche Argumente gibt es dafür wahrscheinlich nicht. Aber die meisten sehen es schon ein. Man muss versuchen, zu überzeugen.

Und irgendwann kann man auch nicht noch mehr Energie sparen. Es gibt Sachen, die müssen sein. Wir können hier ja auch nicht im Dunkeln sitzen. Der Laden muss beleuchtet sein, sonst sieht schließlich keiner, dass er geöffnet ist.

Was passiert eigentlich mit den Backwaren, die Sie nicht verkaufen? Wir haben gehört, dass Sie mit der Kölner Tafel zusammen arbeiten. Stimmt das?
Ja, die kommen täglich zu uns, außer samstags und sonntags. Wir versuchen die Backwaren, die übrig sind, an die Tafel zu geben, aber wir können nicht alles an die Tafel geben. Das alte Brot wird an Kunden gegeben, die Pferde haben. Da gibt es einige. Ein Apotheker bekommt zum Beispiel größere Mengen. Er hat, glaube ich, eine Pferdezucht. Es wird jedenfalls nichts in den Müll geworfen.

Das mit der Tafel, das regelt meine Tochter, die mit im Laden arbeitet. Das machen wir jetzt seit fünf oder sechs Jahren. Das ist eine gute Sache.

Im Grunde bin ich kein großer Redner in solchen Dingen. Ich mache es lieber und rede nicht so viel darüber.

Wir finden es allerdings schön und wichtig, dass wir darüber geredet haben! Vielen Dank an Herrn Schweitzer dafür, dass er sich für uns Zeit genommen hat und für die Impulse, die er uns mit auf den Weg gegeben hat.

  • Text: Monika Hogrefe