Akteure

Akteure in Ehrenfeld

Wenn Verpackungen zu Fahrradhelmen, PET-Flaschen zu flauschigen Fleece-Pullovern oder CD-Hüllen zu Cockpitteilen werden, ist dies nicht nur auf steigende Rohstoffpreise zurückzuführen, sondern auch auf ein neues Umweltbewusstsein. Denn, einst positiver Nebeneffekt, steht die Umweltfreundlichkeit durch Ressourcenschonung schon längst hoch im Kurs – auch im Alltag. Wer sich einmal informiert, erfährt schnell, dass Alternativen näher liegen, als man denkt.
Diesen Monat stellen wir euch fünf Akteure vor, die der Wegwerfgesellschaft mit tollen Aktionen den Rücken kehren: das Repair Café der Dingfabrik, Müll-Projekte des gemeinnützigen Vereins ConAction e.V., die Aktion „Handys für Gorillas“ des Kölner Zoos, das Handy-Rücknahmesystem Mobile-Box sowie das Laden-Atelier und Nähcafé kleidsam.

Dingfabrik – Repair Café

Selber zu reparieren – egal ob mit oder ohne fremde Hilfe – hat viele Vorteile: längere Produktnutzung, ein besseres technisches Verständnis von den Dingen, die uns umgeben und tolle Erfolgserlebnisse.

— Alexander Speckmann // Vorsitzender der Dingfabrik Köln e.V.

„Reparieren statt wegwerfen!“ lautet das Motto des Repair Cafés in der Dingfabrik. Wer defekte Geräte hat, sollte vor der Entsorgung erst schauen, ob es sich nicht doch lohnt, sie zu reparieren. Unterstützung bekommt man dabei von ehrenamtlichen Helfern, die Technik und Wissen unentgeltlich zur Verfügung stellen und die letzte Hemmschwelle fürs eigene Schrauben senken. Die Idee stammt aus den Niederlanden, wo es bereits zahlreiche Repair Cafés gibt. In der Dingfabrik werden ca. alle acht bis zwölf Wochen die „Hilfe-zur-Selbsthilfe-Workshops“ veranstaltet. Unterstützen könnt ihr das Ganze übrigens auch mit Werkzeugspenden, die bei Dopplungen als Starthilfe an andere offene Werkstätten oder Repair Cafés weitergegeben werden können. Es ist ein rundum überzeugender Gedanke: Weg von der Wegwerfgesellschaft! www.dingfabrik.de

Kölner Zoo: Handys für Gorillas und Bonobos

Handys für den Schutz der Gorillas zu sammeln, ist so einfach und so wirkungsvoll!

— Ruth Dieckmann // Leiterin der Zoopädagogik, Kölner Zoo

Der Kölner Zoo sammelt seit 2009 alte Handys für Gorillas und Bonobos und gibt sie zur Weiterverwertung. In Handys ist Coltan verbaut, ein Erz, das im Lebensraum der Gorillas abgebaut wird. Durch den Handyboom ist der Abbau so stark expandiert, dass er die Gorillas und ihren Lebensraum bedroht. Indem alte Handys nicht verschrottet, sondern weiterverwertet werden, wird der Druck auf den Coltan-Abbau gemindert und der Lebensraum der Affen geschont. Zudem unterstützt der Kölner Zoo mit den gesammelten Geldspenden ein Gorillaschutzprojekt im Freiland. Zahlreiche Schulen, Vereine, Firmen und Eine-Welt-Gruppen haben sich mit stattlichen Sammlungen bereits an der Handyaktion des Kölner Zoos beteiligt. Alte Geräte können entweder im Zoo abgegeben werden oder mit einem Versandetikett kostenfrei an den Recyclingpartner des Kölner Zoos versendet werden. www.koelnerzoo.de

ConAction e.V.

ConAction bildet und gestaltet Raum für Erfahrung und Entwicklung.

— Peter Franke und Nils van Ooyen // Geschäftsführer von ConAction e.V.

Seit 1995 ist ConAction als gemeinnütziger Verein und anerkannter Träger der freien Jugendhilfe in der Entwicklung und Vernetzung von Bildungsprozessen aktiv. Gemeinsam mit Vertretern aus Schulen und Unternehmen entwickelt das interdisziplinäre Team innovative Formen der Zusammenarbeit und initiiert so modellhafte Bildungsprojekte, die zukunftsweisend und nachhaltig die Lebensperspektiven junger Menschen verbessern und sie an der Gestaltung einer gerechteren und humaneren Welt beteiligen. Das Thema Umweltschutz fehlt dabei natürlich nicht: Vom Computer-Recycling, Basteln mit Müll bis hin zu schulischen Kompostanlagen realisiert ConAction regelmäßig zahlreiche Projekte, die Kindern, Jugendlichen und Lehrern den schonenden Umgang mit Ressourcen und ein sinnvolles Umweltverhalten vermitteln. www.conaction-koeln.de

Mobile-Box

Mobile-Box zeichnet sich vor allem durch seine Transparenz und seine verbrauchernahen Rücknahmestellen aus – zwei wichtige Voraussetzungen, um Handy-Recycling langfristig in der Gesellschaft zu etablieren.

— Eric Schumacher und Till von Pidoll // Gründer der Mobile-Box

Aktuellen Studien zufolge liegen etwa 100 Millionen ungenutzte Mobiltelefone in deutschen Haushalten – Tendenz steigend! In jedem Telefon sind wertvolle und teils seltene Rohstoffe verarbeitet, die recycelt werden können. Grund genug für zwei Kölner Studenten ein intelligentes Rücknahmesystem für gebrauchte Handys im Kölner Einzelhandel zu entwickeln. Bei der Mobile-Box handelt es sich um Rücknahmeboxen, in denen der Verbraucher sein Handy entsorgen kann und sich sicher sein kann, dass es umweltfreundlich wiederverwertet wird. Das Recycling erfolgt innereuropäisch und auf dem neusten Stand der Technik, die Verbrauerdaten bleiben bis zu ihrer vollständigen Löschung geschützt. Ein Teil der Erlöse aus dem Recycling wird an den BUND Köln gespendet, der auch Partner von Mobile-Box ist. Zu finden sind die Boxen u.a in den Filialen der Biosupermarktkette Naturata in Köln. www.mobile-box.eu

kleidsam – Atelier für Upcycling, Reclothing und KleiderUmbauStation

Upcycling bedeutet Wiederverwertung bei gleichzeitiger Wertsteigerung. Wie man betagte Schätze im Kleiderschrank in neues Leben überführt.

— Amba C. Urbach // Vordenkerin & Geburtshelferin von kleidsam

Was tun mit einstigen Schätzen, die im Schrank hängend keinen Ruhm mehr erlangen, weil wir sie so, wie sie sind einfach nicht mehr tragen können – für den Sack sind sie aber noch nicht bereit? Schließlich waren sie einst unsere liebsten Stücke, sind noch tadellos in Schuss, da sie teuer und guter Qualität waren – und würden wir nicht noch an ihnen hängen, würden sie dort schon lange nicht mehr hängen. Dieser Zustand kann zu einem Ende gebracht werden: Jedes noch so traurige Stück kann kombiniert mit einem einstigen Lieblingspullover, einer zu knapp gewordenen Hose, einer Krawatte vom Opa, einem Häkeldeckchen, zu einer einzigartigen, spaßvollen und individuellen Neuschöpfung werden. Ressourcenschonend, CO2 neutral und ganz ohne Kinderarbeit in Deutschland hergestellt, findet Jedes einen neuen Einsatzbereich! www.kleidsam-koeln.de

  • Text: Verena Andric
  • Grafik: Katharina Olma