Lokal

Grundschüler*innen erobern die Straße

Die Projektwoche zum Thema Nachhaltigkeit zeigt auch Monate später noch ihre Wirkung

Unsere Zukunft auf dieser Erde geht uns alle etwas an. Allen voran diejenigen, die diesen Planeten noch eine Weile bewohnen werden – die junge Generation. Dass man nicht früh genug starten kann, sich mit Themen rund um Nachhaltigkeit und Klimaschutz auseinander zu setzen, dachte sich das Kollegium der Michael-Ende-Grundschule in Ehrenfeld.

Einmal im Jahr wird eine Projektwoche zu einem ausgewählten Thema durchgeführt und gemeinsam mit den Kindern bearbeitet. Im April dieses Jahres ging es um Nachhaltigkeit.

Es konnte aus einer Auswahl 16 verschiedener Projektgruppen gewählt werden, darunter „Trash-Mode aus Müll“, „Beet aus Baumscheiben“, „Unsere Umwelt verstehen“, „Aus alt mach neu“. Zusätzlich fanden Exkursionen im Veedel statt, wie zum Unverpackt-Laden Veedelskrämer, zu The Good Food oder zur GemüseKoop.

Jede Projektgruppe bereitete ein Thema vor und präsentierte die Ergebnisse und Entdeckungen am Ende der Woche. Stets wurde mit Detektivaugen geschaut, wo man Angewohnheiten ändern, Müll vermeiden und Konsum verringern kann.

Die Projekte scheinen sehr vielfältig und kreativ gewesen zu sein, denn aus den Kindern sprudelt es heraus: „Wir haben aus altem Papier neues Papier gemacht, Schalen, Perlen und Teller, dann mussten wir nicht so Plastikschalen nehmen.“ Im Flur des Schulgebäudes finden sich ein großer Saisonkalender sowie fotografische Impressionen aus den Projekten. Im Schulhof gedeiht ein Kräutergarten, der mit aufgefangenem Regenwasser gegossen wird, Insektenhotels und Lehmhütten wurden gebaut. Jula rennt los und ruft nicht umsonst: „Wir haben hier ganz viele tolle Sachen“.

Jan war in der Projektgruppe „Sport und Ernährung“ und erklärt, er nehme jetzt weniger Fleisch zu sich, damit nicht mehr so viele Tiere sterben. Besonders das Thema Plastikvermeidung scheinen sich die Kinder zu Herzen zu nehmen und es wird schnell deutlich, wie wachsam sie beobachten, wie zu Hause mit Ressourcen umgegangen wird. „Meine Mutter hat sich ein bisschen verändert beim Einkaufen, sie nimmt Gemüse jetzt nicht mehr in so Plastikverpackungen, sondern einfach einzeln.“, erzählt Mona, und auch Jula fällt dazu sofort ein: „Meine Eltern nehmen zum Bäcker immer so ‘ne kleine Brottüte aus Stoff mit und bei Kuchen nehmen wir ’ne Tupperdose.“ Außerdem wird stolz verkündet, dass sie alle drei mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Schule kommen.

Die Schulleiterin Ute Hinz beschreibt, wie es dazu kam, dass die Schule eine Fridays for Future- Demonstration zum Ehrenfelder Bezirksrathaus durchgeführt hat. Mit den jeweiligen Klassensprecher*innen wurde ein Kinderparlament organisiert, wo die Idee der Demonstration aufkam. Das Echo dazu war groß, auch Greta Thunberg war vielen Kindern bekannt. Da das Thema die ganze Woche schon behandelt wurde, hat es als Abschluss perfekt gepasst, und am Freitag habe man gemerkt: Das ist genau das Richtige.

Auch die jüngste Generation kann sich Gehör für ihre Anliegen Verschaffen

Jede Projektgruppe schrieb Forderungen auf ein Transparent und verkündete das Anliegen mit dem Megafon: Es ging um achtsames Leben und greifbare ökologische Aspekte, beispielsweise wurde ein gebastelter Wal mit Müll im Magen durch die Ehrenfelder Straßen getragen. Gemeinsam mit der Heliosschule und der Paul-Klee-Schule haben sich nun drei Schulen im Veedel zusammen- getan, um erlebbar zu machen, dass auch die jüngste Generation sich Gehör für ihre Anliegen verschaffen kann, indem sie in ihrem gewohnten Umfeld in der Öffentlichkeit demonstriert. Das Umgangssprachliche „auf die Straße gehen“ wurde hier besonders deutlich wahrgenommen: Die Kinder wollten zuerst automatisch auf dem Bürgersteig laufen, gemäß den bekannten Regeln, bis klar wurde, heute dürfen wir auf die Straße, da ist extra für uns abgesperrt, heute haben wir die Straße für uns.

Bei einer nächsten Aktion zum Tag des guten Lebens wird der Straßenraum erneut für die Belange der Kinder erobert und ein großer Outdoor-Spielplatz wird in der Marienstraße seinen Platz haben. Ute Hinz wünscht sich, dass jedes Kind in der Schule einmal das Thema Nachhaltigkeit in der Projektwoche durchläuft. Ob nochmal eine Demonstration stattfindet, liegt in den Händen der Schüler*innen, denn instrumentalisieren möchten die Pädagog*innen niemanden. Spürbar ist immer noch die Energie, gemeinsam etwas bewirken zu können und das Bewusstsein, verantwortlich mit der Erde umgehen zu wollen. Nachhaltigkeit scheint hier nicht nur Thema, sondern auch Methode gewesen zu sein, denn selbst Monate später sind die Werte, das Erlebte und Gelernte, tief verankert.

  • Text: Franziska Nagel
  • Foto: Julian Bank