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Elfriede, Theo und das Erbe von Woodstock

Wie gestaltet sich der Lebensabend jung gebliebener Alter in Ehrenfeld?

Elfriede Schmitz steht auf dem Absatz zum vierten Stock und schnauft – langsam wird der Weg in ihre schicke Altbauwohnung in der Everhardstraße zur Qual, und wehe, wenn sie beim Einkaufen mal etwas vergessen hat!

Vor drei Monaten hat sie ihren Siebzigsten gefeiert und fühlt sich eigentlich kein bisschen alt. Aber schon lange sind es nicht nur Wehwehchen, die sie plagen, sondern ernst zu nehmende Erkrankungen, die ihr die Kräfte rauben. Vielleicht ist doch langsam der Zeitpunkt gekommen, um über das Leben im Alter nachzudenken?

Die Beratungsangebote der Arbeiterwohlfahrt Köln (AWO) setzen genau in diesem Moment an – wenn ältere Menschen sich darüber Gedanken machen, ob sie vielleicht doch Unterstützung benötigen. Die AWO nennt dies „Präventive Hausbesuche“, weil es darum geht, über alle Möglichkeiten zu informieren, die dabei behilflich sind, so lange wie möglich selbstständig in der eigenen Wohnung leben zu können. Dabei geht es zum Beispiel um barrierefreie Wohngestaltung und Anträge, wie so etwas finanziert werden kann. Aber auch um die kleinen Hilfen im Alltag, wie Unterstützung beim Einkauf oder ein gemeinsamer Besuch im Konzert, der mit einer ehrenamtlichen Helferin viel leichter fällt.

Wer 1949 geboren wurde, ist heute 70 Jahre alt – und war 20 als im August 1969 das größte Konzert der Weltgeschichte, Woodstock, das Lebensgefühl einer ganzen Generation geprägt hat: Man wollte sich abheben vom all zu bürgerlichen Mief der Elterngeneration, und gerade für Frauen ging es um Emanzipation und Selbstbestimmung. Wer wie Elfriede Schmitz 1949 geboren wurde, gibt sich mit 70 also nicht damit zufrieden, zum „alten Eisen“ gezählt zu werden, und hat somit auch andere Ansprüche an die Betreuung und Versorgung im Alter.

In einer scheinbar immer jünger werdenden Gesellschaft wird das Alter oft verdrängt: „Darüber mache ich mir Gedanken, wenn es soweit ist.“, statt rechtzeitig Schritte zu planen. Manchmal ist es dann schon mächtig spät, gerade wenn eine Krankheit plötzlich das Leben auf den Kopf stellt und man von heute auf morgen nicht mehr in seinen gewohnten Alltag zurückkehren kann. Aber auch die Sorge, abgestempelt zu werden, wenn man erst einmal in die Mühlen einer Pflegeeinrichtung geraten ist, verhindert oftmals eine neutrale Auseinandersetzung mit dem Thema Pflege im Alter.

Elfriede Schmitz hat sich also ein Herz gefasst, und sich an die AWO gewandt. Mit der Beratung war sie so zufrieden, dass sie davon gleich ihrer Nachbarin, Hatice Altintop berichtet hat. Diese ist überrascht, dass es sogar Beratungsangebote speziell für aus der Türkei stammende Mitbürger*innen gibt, und zwar in ihrer Muttersprache. Gerade wenn man schon etwas gebrechlich ist, wird es als angenehm und hilfreich empfunden, sich über Probleme und Sorgen in seiner ersten Sprache austauschen zu können – erst recht, wenn bei Angehörigen erste Anzeichen einer Demenzerkrankung auftreten. Die vielfältigen Möglichkeiten der AWO zur Betreuung im Alter werden in Ehrenfeld über das „Zentrum für Senioren“, wie sich das Theo-Burauen-Haus heute nennt, koordiniert.

Oberste Priorität habe das Wohnen in den eigenen vier Wänden

Das „Wording“, wie es im Marketing-Deutsch heißt, hat sich in den letzten Jahren verändert und lässt das althergebrachte „Altersheim“ immer mehr in Vergessenheit geraten. Dies ist lebendiger Ausdruck dessen, dass ältere Menschen endlich ernst genommen werden, es um ihre Würde geht und um einen Umgang auf Augenhöhe.

Dies ist lebendiger Ausdruck dessen, dass ältere Menschen endlich ernst genommen werden.

Denn wenn Elfriede Schmitz irgendwann einmal nicht mehr in ihrer schicken Altbauwohnung wohnen kann, hätte sie gern ein Zuhause, dass sich ihren Vorlieben anpasst. Sowie eine Betreuung, die ihre Bedürfnisse respektiert, und anerkennt, dass sie jahrzehntelang ein selbstbestimmtes Leben geführt hat. Ein Kompromiss wäre dann das Service Wohnen in der Myliusstraße. In diesen seniorengerechten Wohnungen könnte sie sich alles nach ihrem Geschmack einrichten, und würde gleichzeitig von den vielen Vorteilen profitieren, die ihr die Einrichtung bietet: Pflegepersonal, das bei Bedarf nach ihr schaut oder die Möglichkeit, nicht mehr jeden Tag selbst kochen zu müssen, sondern sich im „Restaurant“ des Hauses verpflegen zu lassen. Eigentlich auch eine schöne Vorstellung, denkt Elfriede und lächelt.

  • Text: Dunja Karabaic